Indienreise - 3. bis 16. Feber 2020

“Es liegt eine Art Magie über dem Fortgehen, um dann völlig verändert zurückzukehren.”

Kate Douglas Wiggin


So könnte ich meine Eindrücke, meine Gefühle, meine Erlebnisse nach dieser wundervollen Reise beschreiben. Es war mein erster Aufenthalt in Indien. Die Reise wurde durch Pfarrer Sebastian Edakarottu mit Unterstützung des indischen Reisebüros „Intersight Vacation`s“ vorbereitet. Ein vierköpfiges Team des Reisebüros begleitete uns während des gesamten Aufenthalts. Wir erhielten einen fantastischen Einblick in die Kultur, die Vielfalt der Religionen, dem Leben sowie deren Rituale und deren Traditionen.


Am dritten Februar trafen sich 33 Personen, vor allem aus der Großpfarre Großpetersdorf am Flughafen Wien Schwechat zum Check-in. Die Reisegruppe bestand aus jenen, die bereits Indien bereisten und welchen die es noch nicht kannten. Unser erstes Ziel war Cochin, die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates Kerala, mit etwa 600 000 Einwohnern. Unsere Einreise gestaltete sich etwas mühsam, im Nachhinein betrachtet kann es als durchaus unterhaltsam gesehen werden. Es ging um die Willkür von Zollbeamten, deren Einfluss auf rasches oder eben langwieriges Abfertigen sowie deren und unseren, manchmal bescheidenen, Englisch-Indisch Kenntnissen. Am Flughafen wurden wir von Pfarrer Sebastian und dem Begleitteam empfangen. Nach dem Transfer ins Hotel machten wir unsere erste Erkundungstour durch Cochin.
Am nächsten Morgen besuchten wir das Dorf Vaikom, wo man Einblicke in das Leben der ortsansässigen Bauern und Fischer erhielt.
Am Nachmittag besuchten wir den Holländischen Palast, die Jüdische Synagoge sowie die Basilika St. Franziskus. In der jüdischen Straße boten sich die ersten Einkaufsmöglichkeiten. In diesem Land ist das Handeln ein Muss, ohne Handeln enttäuscht man die ansässigen Geschäftsleute.

 

Am darauffolgenden Tag fuhren wir nach Alleppey, eine Hafenstadt im südindischen Teil Keralas. Es wird als Venedig des Ostens bezeichnet. Die Wasserwege, welche Backwaters genannt werden, erstrecken sich über ein Netz von rund 1900 Kilometer. Sie begeistern durch ihre einzigartige Flora und Fauna. Fünf Hausboote standen für uns zur Verfügung. In einem Labyrinth verwunschener Seen und Kanäle ließen wir einfach die Zeit vorbeifließen. Die Backwaters ziehen wie Lebensadern durch Dörfer, Reisfelder und Palmenheine.

 

Nach einem Frühstück am Hausboot brachte uns der Bus nach Thekkady, eine Stadt in Südindien, welche besonders für Naturliebhaber ein Juwel darstellt. Dichte Tropenwälder, riesige Gewürz-, Tee- und Kaffeeplantagen beeindruckten unsere Sinne. In den frühen Morgenstunden fuhren wir mit einem Boot über den Periyar See, ein Nationalpark, um die exotische Tier- und Pflanzenwelt zu bestaunen. Eine unheimliche Ruhe über dem See ließ mich in eine faszinierende Welt entgleiten. Wir hatten auch Riesenglück, da wir eine Elefantenherde bei ihrer morgendlichen Toilette am See beobachten konnten.


Eine besondere Begegnung wartete am Nachmittag auf uns. Wir besuchten das Frauenhaus, genannt Nalla Samarayan Ashram, in Pulimavu. Es ist ein psychosoziales Rehabilitationszentrum für geistig beeinträchtigte Frauen. Die Frauen werden hier in ihrer Eigenheit akzeptiert, erfahren Liebe, Geborgenheit, Zuwendung, Pflege und Therapie. Allen unseren TeilnehmerInnen hat diese Begegnung einmalig berührt. Die Einrichtung entstand auf Grund eines Projektes durch Pfarrer Sebastian und seinen Mitbruder und Freund Pfarrer Roy Vadakkel. Auch am nächsten Tag besuchten wir eine diözesane Einrichtung, welche körperlich- und geistig beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen eine Schul-, Aufenthalts- und Ausbildungseinrichtung bietet. Der Name des Projektes lässt auf die wunderbare Grundidee schließen, es nennt sich „Angel Village“. Der Bischof von Eisenstadt Mag. Dr. Ägidius Zsifkovic sowie zahlreich geladene Gäste nahmen an der feierlichen Einweihung dieser einzigartigen Einrichtung teil.


Am Sonntag besuchten wir in der Heimatpfarre von Pfarrer Sebastian eine Kindermesse. Eindrucksvoll und mit großem Staunen erhielten wir Einblick in die tiefe spirituelle Kraft, welche bereits unzählige Mädchen und Burschen während der Messe durch Gebet und Gesang zum Ausdruck brachten. Danach gab es Gelegenheit unsere Patenkinder zu treffen. Eine Begegnung, welche uns alle sehr beeindruckte und so manche Tränen hervorrief. Am Nachmittag konnten wir die Gastfreundschaft durch Pfarrer Sebastians Familie kennenlernen und wir wurden überrascht. Wir erhielten Saris und Dhotis, um bei der Einweihungsfeier der neu errichteten Kapelle in traditioneller Kleidung dabei sein zu können.   


Am achten Tag unserer Reise verließen wir Thekkady und kamen nach einer fünfstündigen Fahrt in Madurai an. Madurai liegt im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu. Eine Busfahrt durch die Stadt gab uns Gelegenheit, den Verkehr Indiens kennenzulernen. Es wird gehupt, geschlängelt, gedrängelt, um weiterzukommen. Man hat den Eindruck die gesamte Stadtbevölkerung befindet sich gleichzeitig auf der Straße. Ampeln wurden kaum wahrgenommen, es nimmt jeder Rücksicht auf den anderen, trotz Drängeln. Ein seltsames Verkehrssystem, das jedoch funktioniert. Wir besichtigten den Tirumalai Naicker Palast, den Meenakshi Tempel, einen der größten Tempelkomplexe in Tamil Nadu. Um in den Tempel zu gelangen, musste alles abgelegt werden, auch das Handy und der Fotoapparat. Somit speicherten wir unsere Bilder im Kopf.


Ein Inlandsflug brachte uns am nächsten Tag nach Goa, wo wir drei Tage in einem komfortablen Hotel am Strand ausspannen konnten. Eine Stadtbesichtigung unterbrach nur für einige Stunden unser Relax-Programm, bei der wir auch die Bom Jesus Kirche besuchten, in der die Reliquien von Franz Xaver aufbewahrt werden.


Der letzte Inlandsflug brachte uns von Goa nach Mumbai. Mumbai hat mit seinem Umfeld zirka 24 Mio. Einwohner und liegt an der indischen Westküste. Die Stadt zeichnet sich durch  ihre offensichtlichen Gegensätze, wie eine Skyline moderner Hochhäuser und davor die ärmlichen Slum-Siedlungen, aus. Die Hauptattraktionen wurden natürlich von uns besichtigt, wie der Gateway of India, das Mahatma Ghandi Museum und das Taj Mahal Palace Hotel. Wir erlebten Waschmänner in Aktion, im sogenannten Dhobi Ghat, dem größten offenen Waschplatz Indiens.

 

Mit vollster Zufriedenheit, mit geballten Eindrücken einer faszinierenden Reise, sowie vielen neuen Freunden traten wir unsere Rückreise an. Namasté -  „ich verbeuge mich vor dir“

Hermine Ritzinger