Indienreise 2016

Südindien - 27. Dezember 2015 bis 9. Jänner 2016

Großpetersdorf-Wien-Doha-Chennai-Cochin und retour

Es ist eine lange Anreise – aber es ist auch eine andere Welt: Gods own country – Indien. Man kann es nicht beschreiben, nicht auf Fotos zeigen, man muss es erleben. Trotzdem mache ich den Versuch. Tamil Nadu und Kerala sind die beiden Bundesstaaten im Süden Indiens, die wir gemeinsam mit unserem Gastgeber, Pfarrer Sebastian, kennenlernen dürfen. Wir, das sind 22 Burgenländer/innen, abenteuerlustig, gesangesfreudig, hilfsbereit, fröhlich  – einfach eine liebenswürdige Gruppe!

Tamil Nadu – Der Westen
Tamil Nadu liegt am Golf von Bengalen, hat ca. 72 Millionen Einwohner und die Sprache ist Tamil (die älteste gesprochene Sprache der Welt!). Außergewöhnlich ist, dass jeder Bundesstaat seine eigene Sprache und eine eigene Schrift hat. Damit sich die Inder untereinander verstehen, haben die Schüler einiges zu tun: Alle indischen Kinder lernen Hindi, die Staatssprache, zusätzlich die Sprache ihres Landes und dazu noch Englisch. Also drei verschiedene Sprachen mit jeweils eigener Schrift! In Tamil Nadu leben 88% Hindus,  8% Muslime und 6% Christen. Das Christentum soll bereits von Apostel Thomas, der 70 n. Chr. bei Chennai starb, nach Südindien gebracht worden sein. Farbenfrohe Hindutempel sind in den ersten Tagen unsere Besichtigungsziele. Zu den  größten zählt wohl der Minakshi-Tempel in Madurai. Die Anlage erstreckt sich auf 6 ha und ist von 66 m hohen bunten Türmen gesäumt. Buntes Jahrmarkttreiben und stille Anbetung erlebten wir hier nebeneinander. Dass eine Tempelbesichtigung nur barfuß möglich ist, war für uns doch sehr ungewöhnlich. Auf den Fahrten zwischen den Besichtigungszielen konnten wir Land und Leute entdecken. Gewöhnungsbedürftig ist wohl das Miteinander von Bussen, Autos, Mopeds, Kühen und Ziegen auf den meist holprigen Straßen. Nicht zu vergessen die unzähligen „Tuk-Tuks“, die Dreiräder, die hauptsächlich als kostengünstige Taxis genutzt werden. Mit ständigem Hupen bahnt sich unser Busfahrer den Weg durch das Chaos. Überholen bei Gegenverkehr ist normal und im Nachhinein gesehen „geht sich`s immer aus“!

Kerala – der Osten
Eine kurvenreiche „Alpenstraße“ führt uns über die Berge nach Kerala am Arabischen Meer. Dort leben ca. 33 Millionen Menschen, sie sprechen Malayalam. Kerala ist das Land mit dem höchsten Christenanteil (18%) und einer fast 100%igen Alphabetisierungsrate. Kerala bedeutet übersetzt „Land der Kokosnüsse“ und das ist auch nicht zu übersehen. Derzeit sind die Kokosnüsse noch unreif, das darin enthaltene Kokoswasser wurde uns immer wieder als erfrischendes Getränk angeboten. Doch die Kokospalme ist nur ein Teil der vielfältigen Vegetation in diesem fruchtbaren Land. Riesige Reisfelder in der Ebene, Kautschukplantagen und Ananasfelder, in höheren Regionen Bananen, Kaffee und Gewürze und über 900m Seehöhe konnten wir den Teepflückerinnen bei ihrer Arbeit zuschauen. Immer wieder wurden wir mit Papayas, Mandarinen, Ananas und verschiedene Bananensorten verwöhnt. Sehr lehrreich war der Besuch eines Gewürzgartens und eines Verarbeitungsbetriebes. Wo sonst kann man Pfeffer, Kardamom, Zimt, Ingwer, Vanille, Muskatnuss, Gewürznelken, Kurkuma, Kakao, Kashew-Nüsse, Erdnüsse und vieles andere in freier Natur wachsen sehen? Überrascht haben uns die Weingärten, die für Speisetrauben, aber auch für die Weinproduktion genutzt werden. Das fruchtbare Land und eine konsequente Agrarreform verhindern hier drastische Fälle von Armut, wie in anderen Teilen Indiens. Auch das Bildungs- und Gesundheitssystem ist im Vergleich zu anderen Bundesstaaten gut ausgebaut. Die Lebenserwartung liegt deutlich über dem indischen Durchschnitt von 64 Jahren!
Auf Grund der nur schwach ausgeprägten Industrie weist Kerala allerdings eine der höchsten Arbeitslosenraten Indiens auf, daher sind viele gut ausgebildete Keralesen, die in der Heimat vergeblich nach Arbeit suchen, im Ausland angestellt, insbesondere in den Golfstaaten. Die Überweisungen an ihre Familien daheim tragen erheblich zum relativ hohen Lebensstandard in Kerala bei.

Kerala – Die „We Care!“ Projekte
Am Sonntag zelebrierte Pfarrer Sebastian in seiner Heimat eine Messe nach syro-malabrischem Ritus. Die Kirche war übervoll mit begeistert mitsingenden Kindern, die alle am Boden sitzend mitfeierten. Eine Begeisterung, die bei uns leider schon fast verloren gegangen ist … Nach der Messe wurden wir von Sebastians Familie zu einem köstlichen indischen Mittagessen eingeladen. Vergelt`s Gott nochmals dafür!
Ein besonderes Erlebnis war für uns das Kennenlernen der We Care! – Projekte. Die Partnerschaft zwischen den Diözesen Eisenstadt und Kanjirapally besteht seit mehr als 30 Jahren. Viele Projekte  wurden in dieser Zeit aufgebaut. Der Austausch in personeller, caritativer und pastoraler Hinsicht erfolgt in vielen kleinen Gemeinschaften. Initiator dieser Partnerschaft ist Pfarrer Sebastian Edakarottu. Mit seinem Mitbruder Roy Vadakel baute er in Kerala das WE CARE! Centre auf, dessen Schwerpunkt die Betreuung und Förderung der Waisenkinder, Armen und Ausgestoßenen ist. Viel Liebe und Herzenswärme strömte uns von den Waisenkindern, den behinderten Kindern und den Frauen aus dem Frauenhaus entgegen. Ganz besonders berührend war für uns das Treffen mit unseren Patenkindern. Die schüchterne Freude in ihren Gesichtern, wenn sie ihre Paten gefunden hatten bzw. die von vielen Paten mitgeschickten Geschenke in Empfang nehmen konnten, werden wir nicht vergessen. Jeder von uns konnte spüren, dass der Beitrag von € 100,-- pro Jahr für den Schulbesuch dieser Kinder sehr gut angelegt ist.

Südindien – ein Abenteuer
Einige Programmpunkte waren unvorhergesehen, andere abenteuerlich. Einen Ritt auf einem Elefanten durch eine Gewürzplantage, eine Ajurveda-Massage und ein Badespaß im Meer  gehören einfach zu Indien. Faszinierend war auch die Fahrt mit einem Hausboot in den „Backwaters“ (Mündungsgebiet einiger Flüsse in das Arabische Meer). Da wir auch die Nacht auf den Hausbooten verbrachten, improvisierten wir einen interkulturellen Abend mit burgenländischen, kroatischen und indischen Volksliedern und sehr gutem indischen Bier!

Ein schönes Land, professionelle Organisation, Spitzenhotels, sommerliche Temperaturen, fachkundige Guides (Anuja und Vishnu), Segen von oben und Hilfe von unten (Pfarrer Sebastian und Jutta Schneller) machten diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis!

Maria Thek

Weitere Eindrücke: Pfarre Großpetersdorf